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9-Volt-Block. Von Anna Weidenholzer

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  Foto: katsey Eine Tätigkeit, die mich in meiner Kindheit über einen langen Zeitraum beschäftigen konnte, war das Testen von Batterien. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Stunden waren, die ich damit zubrachte, und ich kann nicht sagen, wann das Batterietestgerät in unseren Haushalt kam. Aber ich erinnere mich genau an die runden Knöpfe des Regals, an denen ich zog, um zu der Schachtel zu gelangen, deren Inhalt ich zügig auf den Boden kippte. Dann saßen wir da, die Batterien und ich, die Mignons neben den Micros, dazwischen ein paar 9-Volt-Blöcke. Ich griff nach dem Testgerät und begann. Jede einzelne Batterie legte ich in das Fach, selbst die ausgelaufenen, und schob den Kontakt hoch. Rot, orange, grün, ich blickte auf die Nadel. Mit etwas mehr Druck ließ sich das Rot gelegentlich auf ein Orange umstimmen. Manchmal brauchte es dazu mehrere Versuche, aber ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen, selbst von den stets aus der Reihe tanzenden 9-Volt-Blöcken nicht. So oft ich es v...

Schilling und Stromausfall. Von Cordula Meindl

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Es ist ein Sommertag, wir sind im Volksschulalter, gerade da, bevor das Leben irgendwie zu ernst wird und einen pubertäre Leidenschaften plagen. Es ist ein Tag mitten in den Sommerferien, so Ende Juli, bevor einem doch ein wenig fad wird in den Ferien. Es ist heiß, aber nicht so Klimawandel-2-Wochen-lang-38-Grad-heiß, sondern 33 bis 35 Grad. Das Gras ist so richtig dunkelgrün, die Sommergerste ist noch nicht geerntet und wogt goldgelb unter dem blitzlauen Himmel. Wir stehen spät auf, aber weil wir ja Kinder sind, ist spät um 7:30 Uhr herum. Die Wiese ist noch feucht vom Tau, ich steige auf eine Nacktschnecke - aber das ist auch schon das ziemlich Schrecklichste, was an diesem Tag passiert. Wir spielen Räuber und Gendarm oder bauen ein Lager im Wald am Bach, vielleicht spielen wir auch Playmobil unterm Nussbaum und verlieren die letzten paar Goldmünzen vom Piratenschatz im hohen Gras. Die Mutter werkt in der Küche und macht uns einen Kirsch- oder Heidelbeerstrudel, vielle...

Über das Glück in glücksnahen Zeiten. Oder: Wie hieß früher der Vesuv? Von Dominika Meindl

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Ich stelle mir die Reise ins vergangene Glück wie einen therapeutischen LSD-Trip vor. Ein Samstag in den späten 1980ern. Meine jüngste Schwester und ich wurden baden geschickt, jetzt sitzen wir mit Handtuchturban, nach Fichtennadelschaumbad duftend, in Pyjamas auf der schiachen Schnürlsamtcouch und sehen Harald Juhnke dabei zu, wie er mit der Sicherheit eines Drunken Master Kungfu-Kämpfers die lange Showtreppe herunteroszilliert. Es kann auch Peter Alexander sein, der sich als Lady Diana verkleidet. Oder, am besten: Hans Joachim Kulenkampff fragt einen grauen Menschen nach dem Namen des Vesuv, mit der Frage "Wie heißt dieser Vesuv"? Unten muss, um den Regressionszauber zu halten, auf alle Fälle das Insert "Die folgenden Sendungen beginnen mit Verspätung" durchlaufen. Weil wir in einem alkholoaffinen Haushalt aufwachsen, haben wir ein Glas Steinobstwein ("Bolero") in den klebrigen Händen. Wenn es jetzt nicht nach frischgebackenem Kuchen zu duften be...