Posts

Posts mit dem Label "2020" werden angezeigt.

Schweinesammeln im Wohnzimmer. Von Ilse Kilic

Bild
  Foto: Fritz Widhalm Was ist Schweinesammeln im Wohnzimmer? Schweinesammeln im Wohnzimmer ist Zuversicht und Leidenschaft. Schweinesammeln im Wohnzimmer bringt ein Stück Widerborstigkeit in die Welt. Am Anfang war Schweinesammeln im Wohnzimmer noch ganz unerfahren, aber es fasste sich ein Herz und füllte eine Vitrine im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien. Sollten sich doch alle am Schweinesammeln im Wohnzimmer erfreuen! Die gemietete Vitrine beherbergte rosarote, schwarze, mittelbraune, rotbraune, gestreifte, gefleckte gepunktete, langrüsselige, stupsrüsselige, kurzrüsselige, großohrige, schlappohrige, spitzohrige, plüschweiche, großäugige, zwinkernde, dünnbeinige, hochbeinige, hängebauchige, großbauchige, borstige, lockige, glatthaarige, langwimperige und ringelschwänzige Schweine. Schweinesammeln im Wohnzimmer zeigte sich von seiner tröstlichsten Seite. Ich zeigte mich von meiner tröstlichen Seite. Ich bin Schweinesammeln im Wohnzimmer. Gemeinsam mit Fritz, natürli...

I THINK WE’RE ALONE NOW. Von Martin Fritz

Bild
der plan für heute: baden im fluss und paul preciado lesen, später dann queere countrymusic hören, gin tonic trinken und sister act schauen, während draußen das gewitter niedergeht aka exakt meine vorstellung des objektiv guten lebens. so habe ich das einmal schon fast vorher geschrieben, dann aber natürlich doch erst danach. und genauso habe ich damals dann auch gemacht. in der sonne liegen, lesen, einschlafen, baden: rätselhaft ist eigentlich nur, warum es nicht immer so ist, sei es am balkon, damals bei der präsidentenwahl, die hitze schon so früh im jahr, die unwirklichkeit der nachrichten, der livestreams am mobiltelefon, damals ein contrapoints -video hörend, damals im so genannten spritz5000trip , die zeitschrift diva e donna lesend, einschlafen in der sonne, storys in halbverstandenem italienisch über mir unbekannte italienische promis weiterträumend, während sich die zeit zerdehnt in ein klebriges etwas, für dessen aggregatszustand wir keine worte haben. we got no place to b...

Ich kauf dein Leben. Von Mieze Medusa

Bild
  „Ob man die Lippenstiftspuren von gestern auf der Maske sieht?“ „Ob ein Ruhepuls von 180 kurz-, mittel- oder langfristig ein Problem werden kann?“ „Ob ich im Theaterfundus so ein barockes Kleid mit Reifrock kaufen soll, damit beim Warten aufs Zahlenkönnen im Supermarkt das Abstandshalten nicht mehr eine Frage der Höflichkeit oder die Verleihung eines Darwin Awards wird?“ „Ob es mir was sagen soll, dass es auf Alkohol grad Mengenrabatt gibt, als gäb's kein Morgen mehr?" „Ob mir das sagen will, es gibt kein Morgen mehr?“ „Ob ich mir einen regenbogenfarbenen Stimmungsaufheller ins Zwerchfell einsaugen soll, weil: Der Gesellschaftliche Konsens ist grad: Wie, du als Mutter schaffst es nicht, neben dem bisschen Home Office und Haushalt auch noch den Unterricht der Kinder zu schaukeln, also wenn es unbedingt sein muss, ist es schon okay, wenn sie tageweise ihr Kind in Betreuungseinrichtungen bringt und bei der Gefahr von häuslicher Gewalt können wir schon was machen, vor alle...

unterfordert und überfüttert. Von Elias Hirschl

Bild
Foto: Benedict Steyrer Uns gehts schlecht, mein Gott gehts uns schlecht. Ui gehts uns schlecht. Ui, ui, ui. Wir sind in einem Gulag, ja unsere Wohnung ist ein Gulag, in das wir eingepfercht sind, wie ein armes kleines Schweinderl in seinem Käfig, eine Legehenne auf der Stange, zumindest wie Terrorverdächtige in einem Gefängnis nach amerikanisch-kubanischem Standard! Und was man uns nicht alles wegnimmt! Ui, ui, ui! Unsere Freiheit, unsere Kultur, unsere Saufkultur, man nimmt uns die Worte weg, die man jetzt nicht einmal mehr sagen darf, die Gedanken, die man jetzt nicht einmal mehr denken darf! Man bindet uns die Masken ins Gesicht wie einen Maulkorb! Man zwingt uns zum Händewaschen und Abstandhalten, da kann man uns ja gleich die Krallen abzwicken und die Schwänze kupieren, damit wir uns nicht gegenseitig gefährden, wie die armen, kleinen, eingesperrten, kranken Käfigferkerl, die wir sind! Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, sind wir jetzt neuerdings auch noch Sklaven e...

Mein Strand im Gebirge. Von René Freund

Bild
Foto: Thom Trauner Mein Strand im Gebirge ist das Gegenteil einer Disko: Hier fehlen die harten Beats. Hier plätschert es sanft. Hier regrediere ich nicht, nein, im Gegenteil: Ich prokrastiniere und nähere mich somit dem antiken ideal des Menschseins an, dem edlen Müßiggang. Mein Strand im Gebirge heißt „Grünau Beach“. Ich kann mit dem Rad hinfahren, aber das mache ich selten, weil die Hunde auch gern mitkommen. Also nehme ich das Auto. Ich fahre nicht weit, vielleicht zehn Minuten, und wohin genau, das werde ich natürlich nicht verraten, denn ich will auch in Zukunft allein an meinem Beach bleiben. Oder zu zweit. Auch an den heißesten Sommertagen bin ich am Grünau Beach völlig frei. Frei von Getümmel, von Imbissbuden, von Lärm, von Disko. Sogar das Handy funktioniert nur sporadisch. Ich kann nichts googeln, keine Mails abrufen, nicht facebooken, keine Fotos verschicken – nichts. Progressive Regression! Um zu dem Gebirgsflüsschen zu gelangen, an dem mein Sandstrand liegt, muss ich ...

Das neue Regrässlich. Eine österreichische Erfolgsgeschichte. Von Markus Köhle

Bild
    Der Rücken bestimmt sein Leben Das Zusammenrücken bestimmt sein Leben Die Rücken der Anderen bestimmen sein Leben Klingt nach mangelhafter Selbstbestimmung mit viel Kreuz Klingt nach Frührückentrainer, Masseur oder Folterknecht Klingt nach beispielhafter Verdichtung und wenig Verständnis Soll bestimmt nachklingen in Köpfen Soll bestimmt sein Haben Soll hier ruhig aufgearbeitet werden Seine Bestimmung ist flexible Haltung Sein Beine-Po ist Kopf-Rücken Seine Parade-Moves Rückzieher und Haken Er ist Bestimmungsaufheller Er schraubt Sinnsuchsicherungen je nach Bedarf raus und wieder rein Er nimmt sich allerhand raus Er rückt zurecht und verrückt Lebensläufe Er bestimmt selbst, was recht und billig ist Er ist nicht billig, er ist willig und recht eigensinnig Sie nannten ihn Willi the Kid Alle, die ihn so nannten, sind tot Rückgratbruch Willig the Kid war vom alten Schlag Schlagstock statt Schlagabtausch War seine Devise Er hatte oft un...